A.C.I.M. Dancecrew - UDO WM - Glasgow 2015

Ein Traum wird wahr …

Nun ist es schon ganze drei Jahre her, dass ACIM Vizeweltmeister 2015 bei der United Dance Organisation, kurz UDO, geworden ist. Rückblickend war es wirklich ein aufregendes Jahr mit vielen Hindernissen und Hürden, die wir gemeistert haben, um an unser Ziel zu gelangen. Mit diesem ersten großen internationalen Erfolg haben sich für uns viele Wege und Möglichkeiten geöffnet, sodass wir heute da stehen können, wo wir sind.

Wie alles begann

2015 war das Jahr in dem wir mal etwas Neues ausprobieren wollten. Zuvor starteten wir bei etwas kleineren Meisterschaften auf nationaler und auch einige Male auf internationaler Ebene und trainierten dafür. Als wir auf die Organisation UDO stießen hatten wir Lust dort unser Glück zu versuchen. Angefangen hat alles mit der Westdeutschen Meisterschaft, bei der wir uns für die Europameisterschaft in Kalkar qualifizierten.

Natürlich waren die vielen neuen Eindrücke, die bei der Westdeutschen auf uns einprasselten sehr neu und spannend für uns. Es passierte so viel gleichzeitig, Schlag auf Schlag tanzten die Crews aus den verschiedenen Leistungsklassen und auch die anderen Kategorien wie Solo, Duo und Quad wurden am selben Tag bewertet. Die Atmosphäre war geladen voll guter Energie, Tatendrang und der Ungeduld, endlich auf die Bühne zu wollen. Dass wir die Quali für die EM am Ende des Tages mit nach Hause nehmen durften, war ein riesiger Erfolg für uns. Wir hatten die UDO-Luft geschnuppert und wollten mehr – wir wollten endlich international durchstarten.

Die EM war die erste Meisterschaft für die wir eine längere Zeit gemeinsam wegfahren mussten. Das war erstmal eine riesige Freude, wir konnten ganze 3 Tage am Stück miteinander verbringen. Für jeden war das aber auch aufregend: wir waren noch nie in der damaligen Konstellation über einen längeren Zeitraum unterwegs gewesen.

Wir starteten in das EM-Wochenende und waren von der Größe der Veranstaltung und der großen Anzahl der Tänzer überwältigt. Auch die internationalen MC‘s und Judges waren wir uns eine völlig neue Erfahrung: man hatte das Gefühl, überall um sich rum Menschen zu haben, die wirklich fundiertes Wissen über die verschiedenen Streetdance Styles haben und diese auch selber meisterlich beherrschen. Als wir beim Finale am dritten Tag dann einen unglaublichen 5. Platz ergatterten und uns somit für die Weltmeisterschaft in Glasgow qualifizierten, war die Freude aber auch der Schock groß. Wir hatten nur bis zu der Europameisterschaft geplant und mussten nun viele neue Schritte in Angriff nehmen:

Da die Weltmeisterschaft in Schottland stattfand, musste die Reise dorthin sorgfältig geplant werden. Flüge und eine Unterkunft für uns alle mussten gefunden werden. Bei fast 20 Personen eine schier übermenschliche Aufgabe. Für uns war jedoch sofort klar: das machen wir! Wir wollen an der Weltmeisterschaft teilnehmen, komme was da wolle.

Kurz vor dem Aus

Die Ernüchterung folgte jedoch schnell: nachdem wir alles zusammen kalkuliert hatten, wussten wir genau: wir konnten es uns einfach nicht leisten auf die WM zu fahren. Zum damaligen Zeitpunkt waren fast alle der Tänzer noch Schüler und mal eben so viele hundert Euro aus dem Ärmel zu schütteln schien unmöglich. Diese Erkenntnis war sehr schmerzhaft für uns. Wir hatten so viel gekämpft und trainiert, um an diesen Punkt zu gelangen und nun, wo unser Traum so nah schien, sollte alles vorbei sein?

Nein! Das konnten und wollten wir so nicht hinnehmen. Bald schon arbeiteten wir einen Plan aus, um irgendwie das Geld zusammen zu bekommen. Wir tanzten an den Wochenenden nach dem Training in Mainz und Wiesbaden auf der Straße, um Spenden zu sammeln. Viele von uns putzten Häuser von Nachbarn und erledigten den Haushalt, um das Geld aufzubringen. So kam allmählich etwas Geld zusammen. Wir waren sehr stolz auf uns und bemühten uns weiter, jedoch stellten wir bald fest: es reichte bei weitem nicht.

An Aufgeben war allerdings nicht zu denken! Alles hätte sich für den Moment auf der großen Bühne gelohnt. Ganz ACIM überlegte, was man noch machen könnte und kamen auf eine Idee: wieso sollten wir nicht versuchen einen Spendenaufruf zu starten? Es wäre ja möglich, dass uns einige Mitmenschen helfen würden, unseren Traum zu verwirklichen.

Durch die Zeitung in Mainz verbreitete sich unser Anliegen schnell und siehe da: es gab tatsächlich Menschen, die dadurch auf uns aufmerksam wurden und bereit waren für unseren Traum zu spenden. Als wir das Ausmaß der vielen eingehenden Spenden erfuhren, waren wir erstmal platt. Wir konnten es kaum glauben, dass sich so viele Menschen für unseren Traum interessierten und auch mit Glückwünschen und viel Unterstützung auf uns zu kamen.

Dieses Gefühl war wundervoll: wir wussten, wir hatten unsere Stadt hinter uns auf dem Weg zur WM! Bis heute sind wir diesen Menschen unendlich dankbar, denn ohne sie hätten wir niemals teilnehmen und unseren Traum leben können. Dass unsere Motivation und der Wille, nun auch noch eine gute Platzierung mit nach Hause zu nehmen dadurch ins Unermesslich stieg, war natürlich klar! Jetzt wollten wir unseren Unterstützern zeigen, dass sich der Glaube in uns gelohnt hatte.

Endlich in Schottland

Dann ging alles ganz schnell: das Sommertrainingslager, in dem wir jeden Tag trainierten, flog nur so dahin. Der August kam und schon hieß es: morgen ist es soweit, wir fliegen zur WM! Wir konnten es immer noch nicht glauben, dass wir Deutschland verlassen würden, um mit den besten Tänzern auf der ganzen Welt zu tanzen. Für ein paar von uns war es sogar das erste Mal überhaupt, dass sie in einem Flugzeug saßen und so war die Aufregung am Abreisetag dementsprechend hoch. Mit 20 gleich angezogenen Tänzern am Terminal zu warten und die Formationen zu üben, zog so einiges an Aufmerksamkeit an, wodurch wir bald Thema am halben Flughafen wurden. Als wir dann im Flieger auch noch eine Durchsage vom Piloten bekamen, der uns viel Glück wünschte, waren wir dann doch baff. Und konnten vor Glück kaum ruhig sitzen bleiben.

Angekommen in Schottland gingen wir direkt zu der Veranstaltung und haben den Mund gar nicht mehr zu bekommen. Die Veranstaltung fand in riesigen Hallen statt, größer als alles, was wir davor zu Gesicht bekommen hatten. Von überall her kam Musik, Menschenmassen und hunderte Tanzgruppen tummelten sich hier und dort. Einmal in dem bunten Treiben zurecht gefunden, wurde es für uns am Freitag auch schon ernst: die Vorrunde begann. Jeder von uns kann sich noch genau an das schlagende Herz erinnern, als wir die ersten Schritte auf der großen Bühne taten und dann die Musik einsetzte. Erst da realisierten wir endgültig: das alles war kein Traum. Wir standen hier wirklich und durften an diesem enormen Event teilnehmen, Teil sein von etwas so Großem und Schönem.

Nach unserem Auftritt mussten wir noch einige Stunden auf die Entscheidung warten: wie hat der Jury unser Tanz gefallen? Wie sahen unsere Chancen im Vergleich zu den anderen Gruppen aus? Würden wir direkt ins Finale am Sonntag kommen oder mussten wir noch einmal am Samstag dafür kämpfen?

Wir kamen direkt ins Finale! Schon in der ersten Vorrunde hatten wir es geschafft: die zweite Vorrunde am Samstag mussten wir somit nicht tanzen. Die gesamte Gruppe bekam sich auf diesen Schock gar nicht mehr ein: die Freude über so einen Zuspruch war enorm, wir hätten niemals erwartet direkt ins Finale zu kommen. Nachdem wir das realisiert hatten, wurden wir aber schnell wieder ernst. Denn es war noch nicht vorbei, im Gegenteil: es fing gerade erst an!

Schnell fuhren wir wieder in unsere Unterkunft und fielen in einen erschöpften Schlaf. Ausgeruht machten wir uns nach dem Frühstück am Samstag direkt an die Arbeit: wir verbrachten den ganzen Tag mit Training und verpassten den letzten Details einen Feinschliff. Nun standen wir bereits einmal auf einer der großen Bühnen und konnten Abstände u.ä. besser einschätzen und dementsprechend absprechen. Der Samstag ging so schnell vorüber wie die restlichen Tage und wir verbrachten den Abend zusammen. Die gesamte Gruppe sprach nochmal über die Show und wir tauschten unsere Gedanken aus. Der Fokus war bei jedem klar: morgen wird das Ding gerockt!

Das Finale

Am Sonntag war es dann endlich soweit: das große Finale der WM 2015 war gekommen. Es waren nur noch wenige Stunden bis zu unserem Auftritt. Sorgfältig machten wir uns warm und dehnten uns ausgiebig. Wir hatten alles in unserer Macht stehende für eine gute Vorbereitung getan – jetzt lag es daran, dies auch auf der Bühne zu zeigen.

Ein paar Tanzgruppen waren vor uns dran, so wurde die Aufregung immer größer. Mit unserer rituellen Schweigeminute vor dem Auftritt tankten wir nochmal Kraft und konzentrierten uns vollkommen auf die bevorstehende Show. ,,Give a warm applause for ACIM.“, das waren die Worte des MC‘s, nun hieß es für uns: ab auf die Bühne und Vollgas geben. Auf der Bühne tanzten wir uns unsere Seele aus dem Leib, jeder gab jedes kleinste Fitzelchen Energie aus seinem Körper und versuchte, aus jedem Schritt das Beste herauszuholen. Wir konnten alle die Einheit spüren, zu der wir in den vergangenen Monaten durch die gemeinsame harte Arbeit geworden waren. Diesen Auftritt werden wir alle wohl in unserem ganzen Leben niemals vergessen.

Die Entscheidung

Nach dem Aufritt fielen wir uns vor Erleichterung alle in die Arme. Die ganze Anspannung der letzten Zeit fiel von uns ab, wir hatten es geschafft: eine gute Leistung auf der Bühne zu bringen, mit der wir und hoffentlich auch jeder, der uns unterstützt hatte zufrieden war, war die Hauptsache. Unser Traum, überhaupt bei der WM dabei sein zu dürfen, war schon erfüllt worden.

Nun mussten wir uns gedulden. Die Stunden bis zu der Entscheidung zogen sich, wir waren hibbelig und konnten die vielen verschiedenen Emotionen kaum im Zaun halten. So warteten wir und schauten uns die vielen anderen Tanzgruppen an. Endlich hieß es: alle Crews hinter die Bühne!

Eng zusammen in einem Kreis standen wir mit den anderen Gruppen im Backstagebereich, und lauschten gebannt den Worten des MC‘s. Es wurde der 7. Platz aufgerufen, der 6. Platz und so weiter. Wir konnten es kaum glauben, als dann auch noch der 3. Platz aufgerufen wurde und unser Name noch immer nicht gefallen war. Was war passiert? Waren wir vielleicht doch noch runter auf den 8. oder 9. Platz gerutscht? Oder war hier ein Fehler passiert und wir wurden gar vergessen?

Und dann hörten wir endlich unseren Namen. Es war kaum zu glauben. Wir hatten den 2. Platz gemacht! Jeder war vollkommen außer sich und wir rannten, uns gegenseitig umarmend und alle in Tränen aufgelöst auf die Bühne. ACIM war Vizeweltmeister 2015! Jeder weinte vor Freude und die Judges überreichten uns auf der Bühne unseren übergroßen Pokal. Dieser Moment war wirklich das Schönste, was wir jemals gemeinsam erleben durften. Das Gefühl, dass sich all die Anstrengungen, Schweiß und Tränen gelohnt hatten, war unvergesslich.

Unsere Trainerin war natürlich die erste, die jeder von uns umarmen wollte. Denn allein durch ihre kreative, aber auch menschliche Arbeit mit uns konnten wir diesen Erfolg mit nach Hause nehmen. So bildete sich langsam aber sicher ein riesiger Haufen voller ACIM-Tänzer, die sich auf Ece schmissen und sie gar nicht mehr loslassen wollten.

Der Abend vor der Abreise

Vizeweltmeister?! Das muss gefeiert werden. Bei einem ausgelassenem Essen feierten wir unseren Sieg ordentlich und es gab sogar ein Gläschen Sekt für die Volljährigen. Erst allmählich realisierten wir, dass wir morgen als Vizeweltmeister wieder nach Hause fliegen würden. Eine lange Reise, die mit der Westdeutschen Meisterschaft anfing und uns bis nach Glasgow führte, war vorbei.

Doch im Nachhinein betrachtet war das erst der Anfang. Seit der Weltmeisterschaft 2015 sind wir als Tanzgruppe gewachsen. Zusammen und individuell haben wir uns seit dem sehr weiterentwickelt, konnten dank dieser Erfahrung so einige nationale und internationale Erfolge erzielen und jedes Jahr noch ein Level höher steigen. Wir sind jedem, der uns 2015 unterstützt hat bis heute sehr dankbar und können das Maß an Zuspruch von damals bis heute immer noch nicht glauben.

Dieses Erlebnis war für ACIM wegbereitend und wir alle werden wohl noch unseren Enkeln davon erzählen. DANKE!

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